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chapel of love


Ich stehe in der Kirche, rasierte Möse unter Lacklederoutfit. Eugens Idee. Eugen hat eh immer so komische Ideen. So ertönt gerade "Chapel of Love", die schwuchtelige Version von den Beach Boys.

Ich sehe mich um, die Kirche ist voll besetzt mit kichernden Perversen. Die christlich-neu-nachreformierte Kirche. Die lassen jeden rein - solange die Kollekte stimmt.

Der Pfarrer fletscht seine Zähne. Ich bemerke, daß seine Strapse nicht richtig sitzen. Muß unangenehm sein für ihn.

Jedoch ist nichts unangenehmer als die Tatsache, daß Eugen gerade zur Kirche hereinreitet, auf einem schneeweißen Roß.

Seine silberne Rüstung glänzt im Licht der zahlreichen Kerzen. Die Musik schwillt an.

Ich hoffe, daß Mr. M bald kommt.

Eugen steht neben mir. Alle grinsen - sogar der Gaul bleckt seine Zähne und wiehert.

"Willst Du mich heiraten?" sagt das Untier.

Ein rundes Loch erscheint auf Eugens Stirn, er hat nicht mal Zeit, verwundert zu gucken. Sein Grinsen wird starr. Ebensolche Löcher erscheinen auch auf der Stirn des Pfarrers, des Pferdes und auf denen der Hochzeitsgäste.

Wir, das heißt Mr. M und ich, sitzen am Strand von Hiddensee. Vor unserem Kleiderschrank, in dem wir wohnen. Die Flut rauscht heran, trägt winzige Stückchen von Hiddensee weg. Wir vögeln jeden Tag und zitieren Stephen Crane.

Hiddensee wird vom Meer weggetragen. Wir haben zwanzig Jahre.